MORE INFO:

Shantel

Calamari Moon Suite

Fr. 27. Januar 2006

Ein neuer Sound wird salonfähig.
Zwei Jahre nach dem gefeierten und ausgezeichneten Bucovina Club Album (höchste französische Kritiker-Wertung) erscheint endlich der Nachfolger. Die begeisterte Aufnahme durch Publikum und Kritik haben Shantel die Energie gegeben, das Debütalbum noch toppen zu wollen. War beim ersten Album nicht klar zu erkennen, dass sich hinter dem Konzept „Bucovina Club" die holistische Idee eines Künstlers/Musikers/Produzenten und DJs verbarg, so werden die Ambitionen diesmal deutlicher: Von den 16 Aufnahmen sind 5 Originalaufnahmen, 5 exklusive Mixe für dieses Konzeptalbum, nur 6 der Stücke kann man überhaupt auf zum Teil schwer erhältlichen Alben finden.
Doch erst einmal der Reihe nach: Was ist bisher passiert?
Als der Frankfurter Freestyle- & Electronica-DJ Stefan Hantel vor Jahren begann, in seinem gewohnt eklektischen Mix Beats aus Brasilien und Nordafrika, Brass-Madness, Roma-Balladen und Tänze vom Balkan zu verwirbeln, fanden die Tanzfreudigen diese Herangehensweise nur logisch. Eine Reise in die Bucovina, die Heimat seiner Familie mütterlicherseits, und nach Rumänien brachte ein Erweckungserlebnis: Was vorher von Platten wie ein ferner Klang aufstieg, hier war es physisch erlebbar: wilde Blaskapellen, Sängerinnen mit Soul in der Stimme, Melancholie und Blues in gesungenen oder instrumentalen Balladen, Frenesie in den Tänzen Kolo, Hora oder Cocek (die Balkan-Variante des Bauchtanzes).
"Czernowitz, das waren Sonntage, die mit Schubert begannen und mit Pistolenduellen endeten. Czernowitz, auf halbem Weg gelegen zwischen Kiew und Bukarest, Krakau und Odessa, war die heimliche Hauptstadt Europas, in der die Metzgertöchter Koloratur sangen und die Fiaker über Karl Kraus stritten. Wo die Bürgersteige mit Rosensträußen gefegt wurden und es mehr Buchhandlungen gab als Bäckereien. Czernowitz, das war ein immerwährender intellektueller Diskurs, der jeden Morgen eine neue ästhetische Theorie erfand, die am Abend schon wieder verworfen war. Wo die Hunde die Namen olympischer Götter trugen und die Hühner Hölderlin-Verse in den Boden kratzten. Czernowitz war ein Vergnügungsdampfer, der mit ukrainischer Mannschaft, deutschen Offizieren und jüdischen Passagieren unter österreichischer Flagge zwischen West und Ost kreuzte. Czernowitz war ein Traum. Die glückliche Ehe der Habsburger mit dem deutschsprachigen jüdischen Bürgertum, das diesen Außenposten der k. u. k. Donaumonarchie am Rande der bessarabischen Steppe zu einem ökonomischen und vor allem kulturellen Zentrum Osteuropas machte". Georg Heinzen zitiert von Ernst Hofbauer in „Verwehte Spuren - Von Lemberg bis Czernowitz ein Trümmerfeld der Erinnerungen" (Ibera Verlag, Wien 1999)
Eine wichtige Inspiration für Shantel ist der kosmopolitische Stil- und Völkermix der Bucovina vor den Kriegen. Czernowitz, die alte Hauptstadt der Bucovina, Stadt der großartigen Dichter und Denker deutscher Sprache, Rose Ausländer, Paul Celan und Selma Meerbaum-Eisinger und berühmter Musiker wie der „Caruso des Ostens", der deutsch-jüdische Tenor Josef Schmidt („Ein Freund, ein guter Freund") im Zentrum der Bucovina gelegen, war die Heimat seiner Vorfahren. Wenn auch die einmalige multikulturelle Atmosphäre nach dem Einfall der Nazis und später durch den Stalinismus unwiederbringlich zerstört wurde, gibt es hier wieder ein großes Interesse, an den Wurzeln anzuknüpfen. Auf verschlungenen Wegen fand ein Exemplar der Bucovina-Club-CD seinen Weg in die Bucovina. Musiker waren erstaunt, zu sehen, dass sich ein Musiker und DJ, der so weit weg lebt, auf diese Traditionen bezieht. Im November 2004 kam es schließlich zu einem denkwürdigen Homecoming: Auf Einladung des Bürgermeisters von Czernowitz trat Shantel im heißen ukrainischen Herbst der Anti-Kutschma-Proteste auf dem ehemaligen „Austria-Platz" mit dem jüdischen Orchester von Czernowitz und Musikern der Mahala Rai Banda vor zehntausenden von jungen Leuten auf, die nicht vergaßen, ihre orangen Fahnen mitzubringen. Die Musiker hatten sich intensiv darauf vorbereitet und sahen dies als Chance, an alte Traditionen anzuknüpfen. Weitere Einladungen folgten, gemeinsam möchte man diesen Weg einer kulturellen Wiederbelebung weitergehen; Shantel plant derzeit eine weiterreichende Zusammenarbeit mit Musikern aus Czernowitz.
Eine andere Inspiration verbindet Shantels Vorleben als Electronica-Produzent mit den Zigeunern: Die Zigeuner, ohne die das musikalische Leben des Balkans undenkbar wäre, hatten die Kunst des Sampelns erfunden. Auf ihrem langen Weg durch Länder und Kulturen nahmen sie hier eine Hookline, dort einen Rhythmus, ein Melodiefragment oder einen Chorus mit, um sie neu zusammenzusetzen und etwas ganz Eigenes daraus zu schaffen. Im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert wurde Sampling die vorherrschende Produktionsmethode einer ganz anderen Szene - der Electronica- und Dancemusic-Szene.
Nicht nur die erste Folge der Bucovina-Club-Anthologien, auch die Bucovina-Club-Abende - zunächst im Schauspiel Frankfurt, dann in vielen anderen Städten - wurden ein Instant-Erfolg. Kein Wunder, denn der Bucovina Club ist ein euphorisches Ereignis allererster Güte, das alle möglichen Altersgruppen und Nationalitäten zusammenführt. Hier ist Multikulti kein ödes Politiker-Geschwätz, sondern direkt und sinnlich zu erfahren. Die Partys knüpfen an die rauschhaften Erlebnisse der ersten House- und Technoraves an.
Nahtlos an diese Aktivitäten schloss sich die legendäre Electric-Gypsyland-Tour mit Taraf de Haidouks und Mahala Rai Banda an, die Shantel mit seinen Helden über 30 Stationen bis nach Marokko und La Reunion bringen sollte. Daneben gestaltete er gemeinsame Shows mit dem Boban Markovic Orkestar, Frank London's Klezmer Brass Allstars, dem Sandy Lopicic Orkestar, Slonovski Bal, dem Kocani Orkestar, wo er nicht nur die Konzertabende mit seinem DJ-Set krönte, sondern auch gemeinsam mit den Musikern agierte.
Bucovina Club rules!
Der Balkan ist dank Shantel im Club angekommen, mit dem Bucovina Club wurde gar eine neue Pop-/Clubkulturwelle ausgelöst, die sich frei von Klischees, ethnologischem Ballast oder musealem Denken an den Klängen Osteuropas erfreut. Ein neuer Sound wurde so salonfähig gemacht. Dabei macht Shantel das beliebte wie beliebige Spiel des seelenlosen Plünderns der Quellen nicht mit, sondern erweist zunächst den Wurzeln seinen Respekt. Ziel ist die Weiterentwicklung und Überführung des Sounds in einen urbanen europäischen Kontext. Hier berühren sich Club- wie traditionelle Musik, denn beide sind im besten Sinne niemals statisch, sondern ständigen Veränderungen und Anpassungen an das aktuelle Lebensgefühl unterworfen. Shantel behandelt - auf Grundlage seines „alten" Wissens als Produzent elektronischer Musik - diese Musikstile genauso wie eine HipHop- oder Dancemusic-Produktion. Nicht im sterilen Konzertsaal, sondern im Setting des Clubs oder der Party an einem ungewöhnlichen Ort entfaltet der Sound seine ganze Magie. Und der neue Sound kommt in den europäischen Szeneläden Nouveau Casino und Favela Chic (Paris), Futuro Flamenco/Nottinghill Arts Club (London), P.P.C. (Graz), beim MTV-Festival im größten Club Bukarests, bei den legendären Transmusicales in Rennes, in Tel-Aviv, beim Balkan-Fever-Festival (Wien) wie auch an den Orten der Hochkultur, in den Schauspielhäusern Wien, Hamburg, Stuttgart, in der Berliner Staatsoper und dem Hebbel Theater Berlin oder bei den Wiener Festwochen bestens an. In verschiedenen Städten gibt es regelmäßige Clubabende, wie in Zürich (Xtra) oder Nürnberg (K 4), in Frankfurt (Schauspiel) sowie die jährlichen Großereignisse Bucovina-Club-Open-Air und Jardin du Monde beim Museumsuferfest, die tausende von Besuchern in ihrer Feierfreude vereinigen. Als Abschluss des Station-to-Station-Festivals in Florenz ließen sich über 10.000 in den Bucovina Club entführen.
Internationale Acts stehen Schlange, um von Shantel produziert oder remixt zu werden: Taraf de Haidouks, Fanfare Ciocarlia, Mahala Rai Banda, Zdob si Zdub, Slonovski Bal.
Shantels Stücke „Bucovina" und „Dimineata" von der ersten Bucovina Club Anthologie finden sich auf den aktuellen Kompilationen: „Gegen die Wand Soundtrack", (D) „FM 4 Sound Selection"(A), „popcultureVol. 1" (A), „German Nights" (D), „Coney Island Love " (USA), „Luftkastellet" (DK) „Future World Funk" (UK) und „Emporio Armani Café Vol. 3" (I). Kaum ein längerer Filmbericht über den Balkan im deutschen Fernsehen kommt ohne „Bucovina" oder „Dimineata" aus und auch in Spielfilmen hört man Bucovina-Klänge: Dani Levys „Zucker" und Fred Kelems „Krisana" vertrauen seiner musikalischen Sprache.
Bucovina Club Vol. 2
Dies ist nicht nur „ein weiterer Sampler", ein schnell zusammen gerührtes Produkt. Bucovina Club verortet sich in der aktuellen Popkultur. Die üblichen Stereotypen und Klischees werden über den Haufen geworfen, unsere Betrachtungen des Balkans, des „wilden" Ostens und der Zigeunerkultur einer Frischzellenkur unterzogen. Bucovina Club - das ist die furiose Symbiose elektronischer Club- und rasanter Roma-Musik.
Das zweite Bucovina Club Album reflektiert Mentalität und Stimmung des Bucovina Club Spektakels, wenn in den frühen Morgenstunden noch Hunderte von Tänzern und Tänzerinnen das letzte aus sich herausholen. Diese 16 Tracks sind die schweißgeprüften, absoluten Hits der Partys. Bei Shantels eigenen Stücken wirken die Topstars der Gypsy-Musikszene und des Balkans mit wie Boban Markovic und sein Sohn Marko, Jony Iliev, die Allstar-Formation Bucovina Club Orkestar. Die exklusiven Remixe featuren Mahala Rai Banda, Fanfare Ciocarlia, Sandy Lopicic Orkestar & die französisch-rumänische Schauspielerin Rona Hartner (bekannt aus dem Film Gadjo Dilo von Tony Gatlif); die restlichen Stücke präsentieren: Dr. Nelle Karajlic, Balkan Beat Box, Slonovski Bal und Goran Bregovic.
Stimmen zum Bucovina Club
„Shantel, der vielleicht wichtigste Balkan-DJ Europas hat mit seinem Bucovina Club einen wichtigen Beitrag geleistet zur Propagierung balkanischer Musik in den Clubs des „Westens". Mit Remixes, Samples oder aber unbearbeiteten Aufnahmen hat er einem tanz- und feierwütigen Clubbing-Publikum die Schönheiten auch traditioneller Musik erschlossen. Er selbst erklärt sich seinen Hang zur Balkanmusik genetisch, kamen seine Urgroßeltern doch dereinst aus der Bucovina nach Deutschland. Nun dürfte einem - sagen wir - Mazedonier die Bucovina (in der heutigen Ukraine) genauso fremd oder verwandt sein wie eine Autobahnauffahrt bei Dortmund, doch tut das seiner Begeisterung für die Musik und die Begeisterung, die er bei seinen Fans auslöst, keinen Abbruch." Richard Schuberth, Leiter des Wiener Balkan Fever Festivals
„Shantel holt die Stars serbischer Dorffeste und ukrainischer Mafiahochzeiten in die Metropolendiscos. Der melancholisch-wilde Gipsy-Sound Osteuropas wird jetzt zum Szenetrend." - Vogue
„Shantel gibt den DJ, den Dub Mixer und verliebten Soudmaler. Das hat Witz und Schmiss und jede Menge Anmut. Shantel präsentiert die besten Kapellen dieser wild wuchernden Kulturlandschaft aus dem Osten Europas und lässt sie aufeinander poltern. Go, Bucovina, go!" - Musikexpress
„Die fabelhafte Idee des DJ Shantel: traditionelle Weisen mit der Technokultur zur mixen. An seinen Mixen kommt man nicht vorbei, wenn es um die elektronischen Musiken des Balkans geht" - Télérama

www.essayrecordings.com

back