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Dj DSL

Calamari Moon Suite

Fr. 11. Februar 2005

Der Mann hat Prinzipien: "Ganz wichtig: Beim Niederschreiben meinen Namen bitte immer mit dem Wort DJ versehen". Ein Wunsch, der wohl nur aus dem Mund eines echten Vollblut-Plattendrehers kommen kann. Die Bedeutungs-Entwertung, die die inflationär genutzte Job-Bezeichnung "DJ" in den letzten Jahren erfahren hat, macht DJ DSL offenbar nichts aus. Seit sechzehn Jahren legt er nämlich schon Platten auf, und er kann von sich behaupten, der erste Hip Hop-DJ Österreichs gewesen zu sein. Klar: Bei ihm steht das "DJ" schlicht für ein Gütesiegel.

Wer den gebürtigen Wiener und heutigen Wahl-Hamburger einmal auflegen gehört hat, weiß, was gemeint ist. Für alle anderen die kurze Info: Er ist wohl der beste Hip Hop-DJ Kontinental-Europas - der demüblichen Klischee-Bild des Homeboy-Geschäfts allerdings auf eine sehr angenehme Weise nicht entspricht. Sein Talent verbirgt er zum Beispiel unter einen unglaublichen Bescheidenheit und einem völligem Mangel an Eitelkeit.Und dann ist da diese Eleganz, mit der sich DJ DSL total entspannt durch Hip Hop, Beats und oft auch andere musikalische Sphären mixt und cuttet, alles unter dem großen Vorzeichen des Funk und stets im gemütlichen BPM-Bereich. Auch mit seiner Musik setzt er eigenständige Akzente, wie mit seinem Debüt-Album "#1", einer Sammlung mit Eigenkompositionen und Remixen, die in Kürze auf G-Stone erscheint. Smooth rockende, aber rauh gezimmerte Tracks sind darauf zu hören, die vor allem durch ihre Schlichtheit glänzen. "Ich wollte eigentlich immer profimäßige Produktionen machen, aber es kam dann doch irgendwie der einfache, selbstgebastelte Sound heraus - damit habe ich mich allerdings mittlerweile durchaus angefreundet" sagt DJ DSL. Das bedeutet im Detail: Samples, die bis zum Äußersten auf ihre Groove- und Atmosphären-Verwertbarkeit bearbeitet werden, gefaßt in einfache, ja fast dilettantisch wirkende Arrangements. Super DJ-Futter natürlich, aber auch wunderbares Listening-Gemüse, mit einem Geschmack, der fast automatisch schmunzeln läßt. Etwa, wenn im Remix für Total Chaos nach einem heftigen Dope-Beat-Gewitter plötzlich eine Melodie von den Venga Boys auftaucht, oder an anderer Stelle eine Passage aus "Popcorn" erklingt. Melodie ist Trumpf bei DJ DSL, aber die Beats rollen darunter mindestens im Truckreifen-Format.

Kein Wunder, daß er als Remixer im Moment besonders geschätzt wird. Nicht nur die halbe Hamburger Schule von Tocotronic, Rocko Schamoni bis zu den Absolute Beginnern hat er bearbeitet, auch Berlin´s Commercial Breakup und Comeit haben sich von ihm remixen lassen, sowie Peter Kruder´s Peace Orchestra und die eine oder andere US-Hip Hop-Crew. Mit dem Hip Hop-Betrieb hat der Wahl-Hamburger wie gesagt, sonst allerdings wenig zu tun: "Die Art und Weise, wie sich das abspielt, daran habe ich keine Freude. Die Musik muß im Vordergrund sein, alles andere steht für mich nicht zur Debatte". DJ DSL hat eben nicht nur Prinzipien, er mag es vor allem real. Im wahrsten Sinne des Wortes.

www.g-stoned.com

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